Zwei Rebsorten, eine Familie. Schwarzriesling ist genetisch nichts anderes als eine Mutation des Spätburgunders — dieselbe Rebe, nur mit anderem Temperament. Das erklärt, warum sie im Glas so gut zusammenpassen.
Spätburgunder ist der deutsche Name für Pinot Noir, eine der ältesten und meistdiskutierten Rebsorten der Welt. Der Name sagt schon alles: Sie reift spät, und sie stammt aus dem Burgund. Beides ist Stärke und Problem gleichzeitig. Die lange Reifezeit gibt dem Wein Tiefe und Feinheit, macht die Rebe aber auch kleinbeerig, dünnhäutig und anfällig für Fäulnis. Wer Spätburgunder anbaut, hat sich für Arbeit entschieden. Genetisch ist die Sorte extrem alt und entsprechend mutationsfreudig — aus ihr sind über die Jahrhunderte Grauburgunder, Weißburgunder und eben Schwarzriesling entstanden. Alles dieselbe Rebe in verschiedenen Farbvarianten. Im Wein zeigt Spätburgunder Kirsche, Himbeere und Walderdbeere, dazu eine erdige Note; hell in der Farbe, mild im Tannin, getragen von Duft und Struktur statt von Kraft.
Beim Schwarzriesling ist der Name doppelt irreführend — mit Riesling hat er nichts zu tun. International heißt er Pinot Meunier, und „Meunier“ bedeutet Müller: Die Blattunterseiten tragen einen weißen, mehligen Flaum, als hätte jemand Mehl darüber gestäubt. Daher in Deutschland auch Müllerrebe. Er reift früher als der Spätburgunder und treibt später aus, was ihn in kühleren Lagen robuster gegen Spätfröste macht. Sein entscheidendes Merkmal ist die niedrigere Säure: Wo Spätburgunder straff und nervig sein kann, ist Schwarzriesling runder und weicher. In der Champagne gehört Pinot Meunier zu den drei zugelassenen Hauptsorten und liefert dort genau das, wofür er auch sonst geschätzt wird — Frucht, Rundung und frühe Trinkreife.
