Rebsorten

Spätburgunder, Schwarzriesling und Cabernet Sauvignon

Drei rote Sorten, zwei Familien. Spätburgunder und Schwarzriesling gehören genetisch zusammen — Schwarzriesling ist eine Mutation des Spätburgunders, also dieselbe Rebe mit anderem Temperament. Cabernet Sauvignon steht daneben und bringt etwas völlig anderes mit.

Spätburgunder ist der deutsche Name für Pinot Noir, eine der ältesten Rebsorten der Welt. Sie reift spät, ist dünnhäutig, kleinbeerig und fäulnisanfällig — wer sie anbaut, hat sich für Arbeit entschieden. Dafür liefert sie feine Frucht statt Wucht: Kirsche, Himbeere, Walderdbeere, dazu eine erdige Note. Mild im Tannin, getragen von Duft und Struktur.

Schwarzriesling hat mit Riesling nichts zu tun. International heißt er Pinot Meunier — „Meunier“ bedeutet Müller, benannt nach dem weißen, mehligen Flaum auf den Blattunterseiten. Er reift früher als der Spätburgunder und treibt später aus, was ihn in kühleren Lagen robuster gegen Spätfröste macht. Sein entscheidendes Merkmal ist die niedrigere Säure: Wo Spätburgunder straff werden kann, ist Schwarzriesling rund und weich. In der Champagne ist er eine der drei zugelassenen Hauptsorten.

Cabernet Sauvignon ist der Fremdkörper — und genau deshalb im Blend. Die Sorte entstand im Bordeaux aus einer spontanen Kreuzung von Cabernet Franc und Sauvignon Blanc, hat dickschalige, kleine Beeren und reift spät. Daraus folgt das Übliche: viel Farbstoff, viel Tannin, dichte Cassis-Frucht, würzige Noten von Pflaume, Veilchen und Tabak. An der Mosel ist sie eine klimatische Grenzsorte — dass sie in Nittel überhaupt reift, hat mit dem wärmsten Mikroklima der Mosel und den wärmespeichernden Kalkböden zu tun.

Im Rosé arbeiten die drei nach einem klaren Prinzip: Weil der Schalenkontakt kurz bleibt, kommt von allen dreien die Frucht, aber kaum Tannin — die Sorte, die im Rotwein am meisten Gerbstoff liefern würde, bleibt hier bewusst unter Kontrolle. Spätburgunder gibt die feine Beerenfrucht, Schwarzriesling die weiche Säure und die Rundung, Cabernet Sauvignon Farbtiefe und einen würzigen Kern, der den Wein davor bewahrt, nur nett zu sein.

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