Rebsorten

Sauvignac

Sauvignac ist eine der jüngsten Rebsorten, die überhaupt in einer deutschen Weinflasche landen kann. Gezüchtet hat sie Valentin Blattner in Soyhières im Schweizer Jura — genetisch eine Neuzüchtung aus Sauvignon Blanc × Riesling, gekreuzt mit einer unbekannten resistenten Vaterpopulation. Nachgewiesen sind Gene von Vitis vinifera und Vitis amurensis, der ostasiatischen Amur-Rebe. Ihr Arbeitsname war VB Cal 6-04.

Die Arbeitsteilung im Erbgut ist der Schlüssel zur Sorte: Vinifera liefert die Aromatik, Amurensis die Widerstandskraft gegen Peronospora, Oidium und Botrytis. Und anders als bei älteren Kreuzungen wurde nicht ein einzelner Resistenzträger eingekreuzt, sondern über Mehrfachkreuzungen mehrere kombiniert — der Pilz stößt auf mehrere Hürden statt auf eine.

Im Weinberg verhält sich Sauvignac auffällig riesling-nah: mittelstarker Wuchs, lockerbeerige Traube in vergleichbarer Rispengröße, Reife etwa eine Woche vor dem Riesling. Der späte Austrieb senkt die Spätfrostgefahr. Die Lockerbeerigkeit ist dabei kein Detail, sondern der bauliche Grund für die Botrytis-Festigkeit — wo Beeren nicht aneinanderdrücken, findet Fäulnis weniger Einstiegspunkte.

Sensorisch liegt die Sorte je nach Standort und Ausbau irgendwo zwischen Riesling und Scheurebe. Typisch sind Aprikose, Apfel, Limette und Cassis; Beck-Winter nennt zusätzlich Litschi, Stachelbeere und Grapefruit. Die Cassis-Note ist der eigentliche Fingerabdruck: erinnert an Sauvignon Blanc, wirkt aber dunkler und weniger grasig.

Weil die Sorte Aromatik und Säurestruktur gleichzeitig mitbringt, funktioniert sie trocken ausgebaut ohne dünn zu werden — bei Beck-Winter 2,1 g/l Restzucker gegen 5,8 g/l Säure, ein Wein ohne jedes Zuckerpolster. Auf Muschelkalk kommt eine mineralische Straffheit dazu, die die Aromatik erdet. In Deutschland steht die Sorte bislang nur auf sehr kleiner Fläche.

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