Die Reben hinter deinem Wein

Rebenkunde – 6 Reben, 6 Persönlichkeiten

Die meisten kaufen Wein nach Farbe oder danach, ob er süß oder trocken ist. Dabei sitzt der eigentliche Geschmack woanders: in der Rebe. Lern die sechs Reben kennen, aus denen unsere Weine entstehen – danach erkennst du sie wieder. Versprochen.

Die 6 Kandidaten:

Sechs Reben, sechs Charakterköpfe.

Laut oder leise: zwei Arten von Reben

Wenn du nur eine Sache von dieser Seite mitnimmst, dann diese: Es gibt laute und leise Reben.

Die lauten nennt man aromatisch. Sie riechen nach etwas Konkretem – Rosen, Litschi, frischen Trauben – und du erkennst sie fast sofort. Gewürztraminer, Muskateller und Bacchus gehören dazu. Die leisen sind zurückhaltender. Sie sind eher eine Leinwand, auf der Boden, Klima und Winzerhandwerk malen. Der Grauburgunder ist so einer. Und dann gibt es Sonderfälle wie den Cabernet Sauvignon, der eigentlich rot ist und sich hier als Weißwein tarnt. Mit dieser Brille im Kopf liest sich der Rest der Seite wie von selbst.

Sechs Reben im Sortiment! Lern sie kennen:

Manche Weine erkennst du blind. Andere musst du suchen. Hinter jedem Geschmack steckt eine Rebe – und jede hat ihre eigene Persönlichkeit.

Der Unüberhörbare

Gewürztraminer

Manche Weine muss man suchen. Diesen riechst du, bevor das Glas überhaupt am Mund ist: Rosenblüte, Litschi, ein Hauch kandierter Ingwer. Unter tausenden Rebsorten ist der Gewürztraminer eine der ganz wenigen, die du blind erkennst.
Subtil kann er nicht, und das will er auch nicht. Der Gewürztraminer hat keine lauen Fans: Man liebt ihn oder man lässt ihn. Genau diese Kompromisslosigkeit ist sein Reiz.

Schon gewusst?

Der Name verrät die Herkunft: „Traminer“ kommt vom Südtiroler Dorf Tramin. Das „Gewürz“ kam später durch eine natürliche Mutation dazu, die ihn so aromatisch machte.

In unserem Gewürztraminer mild bekommt die Rebe genug Restsüße, um ihr ganzes Aroma auszuspielen:

Die Traubigste

Muskateller

Hier ein kleines Paradox: Die meisten Weine schmecken nach vielem – nur nicht nach der Traube, aus der sie gemacht sind. Der Muskateller ist die große Ausnahme. Er schmeckt tatsächlich nach Weintraube.
Dieser frische, blumig-süße Biss, den du kennst, wenn du in eine reife Traube beißt – genau das hast du im Glas. Das macht ihn zur vielleicht zugänglichsten aromatischen Rebe überhaupt.

Schon gewusst?

Muskateller gehört zu den ältesten Kulturreben der Welt – schon in der Antike angebaut. Wenn du ihn trinkst, schmeckst du ungefähr das, was die Römer im Glas hatten.

Bei uns tritt der Muskateller im Duett auf – zusammen mit dem Gewürztraminer im Süssen Zweier:

Die Zugängliche

Bacchus

Benannt nach dem römischen Gott des Weins – ein ziemlich großer Name für eine so unkomplizierte Rebe. Der Bacchus ist eine deutsche Züchtung und wurde gemacht, um zu gefallen: blumig, ein Hauch Muskat, immer rund, nie kantig.
Er ist die Rebe, die einfach Ja sagt. Keine Lernkurve, kein „muss man sich erarbeiten“. Wenn Wein dich bisher eingeschüchtert hat, ist der Bacchus der entspannteste Einstiegspunkt.

Schon gewusst?

Der Bacchus ist eine Kreuzung aus Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau – 1933 in Deutschland gezüchtet, damit er auch in kühleren Jahren zuverlässig reif wird.

Unseren Bacchus gibt es als ganze Literflasche – weil man von etwas so Zugänglichem gern mehr im Glas hat:

Die Wache

Sauvignon Blanc

Wenn der Gewürztraminer Parfüm ist, dann ist der Sauvignon Blanc frische Luft. Grün, knackig, hellwach: Stachelbeere, ein Zupfer Paprika, frisch gemähtes Gras.
Es gibt etwas fast Elektrisches an seiner Frische – er weckt den Gaumen auf, statt ihn einzulullen. Vom Loiretal bis Neuseeland ist er ein Weltstar.

Schon gewusst?

Die typisch „grünen“ Aromen kommen von natürlichen Stoffen namens Pyrazinen – derselben Molekül-Familie, die auch die Paprika nach Paprika riechen lässt.

Unser Sauvignon Blanc zeigt die Rebe trocken und klar – Frische pur, ohne Umweg:

Die Verkleidete

Cabernet Sauvignon

Jetzt der Aha-Moment der ganzen Seite. Der Cabernet Sauvignon ist eine der berühmtesten Rotweinreben der Welt – Bordeaux, Napa Valley, die großen, dunklen Gewächse. Was also macht er auf einer Seite voller Weißweine?
Die Antwort ist verblüffend einfach: Die Farbe sitzt nicht im Saft, sondern in der Schale. Presst man rote Trauben sanft und ohne Schalenkontakt, fließt ein heller Saft heraus – „Blanc de Noir“, weiß aus schwarz. Dieselbe Rebe, ein völlig anderer Wein.

Schon gewusst?

Fast alle roten Trauben haben hellen, klaren Saft. Deshalb kann selbst Champagner – oft aus der roten Sorte Pinot Noir gemacht – goldhell im Glas funkeln.

Unser Cab Blanc de Noir ist genau dieser Trick zum Schmecken – eine rote Traube, hell gekeltert:

Der Unaufgeregte

Grauburgunder

Nach all den lauten Reben jetzt die leise. Der Grauburgunder drängt sich nicht auf – Birne, ein Hauch Nuss, sanft und ausgewogen. Bei ihm geht es nicht um ein einzelnes spektakuläres Aroma, sondern um Balance und Substanz.
Er gehört zur großen Burgunder-Familie und ist eng verwandt mit Spätburgunder und Chardonnay – drei Geschwister, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Schon gewusst?

Grau-, Weiß- und Spätburgunder sind alle Farb-Mutationen derselben Ur-Rebe. Die Natur hat hier dreimal dasselbe Thema in drei Farben variiert.

Sonderfall bei uns: Den Grauburgunder gibt es alkoholfrei – der ganze Charakter, nur ohne den nächsten Morgen:

Häufige Fragen - Kurz erklärt

Frische macht Weine nicht nur spannender im Glas. Sie verrät etwas über ihre Herkunft, passt hervorragend zum Essen und ist einer der Gründe, warum manche Flaschen über Jahre hinweg besser werden.

Einzelne Trauben liegen auf orangem Hintergrund

Warum schmecken zwei Weine aus derselben Rebe unterschiedlich?

Weil die Rebe nur der Anfang ist. Boden, Klima, Lesezeitpunkt und wie viel Restsüße der Winzer im Wein lässt, formen am Ende den Geschmack. Dieselbe Traube kann knochentrocken oder lieblich ausgebaut werden.

Ist eine „aromatische“ Rebe automatisch süß?

Nein – das verwechselt man leicht. Aroma und Süße sind zwei Paar Schuhe. Ein Sauvignon Blanc duftet intensiv und ist trotzdem trocken. Süße entsteht erst durch den Restzucker, nicht durch das Aroma der Rebe.

Was ist eigentlich eine Cuvée?

Eine Cuvée ist ein Verschnitt aus mehreren Rebsorten in einem Wein. Unser Süsser Zweier ist so eine: Muskateller und Gewürztraminer zusammen ergeben mehr als jede Rebe für sich.

Heißt „Burgunder“, dass der Wein aus dem Burgund kommt?

Nein. Im Deutschen ist „Burgunder“ der Name einer ganzen Rebsorten-Familie (Grau-, Weiß-, Spätburgunder). Sie stammen ursprünglich aus dem Burgund, wachsen heute aber überall – auch in der Pfalz.

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Falls jemand fragt: „Und – was trinken wir da eigentlich?"
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